Kirche außen

Die Kirche in Uphusen
Typ: Rechteck-Einraum, Backsteinkirche

Maße: 30 x 12 m

Ehemaliges Patrozinium: St. Laurentius oder Vincentius

Datierung: 2. Hälfte 13. Jahrhundert


Die Kirche wurde über gestrecktem, rechteckigem Grundriß errichtet.
Das heißt, daß sie im Osten nicht mit einer halbrunden Apsis als Altarraum abschließt, sondern daß der Chor gerade geschlossen ist. Damit gehört sie zu dem Kirchentyp, der besonders in der Krummhörn recht verbreitet ist. Wahrscheinlich hat sich diese Grundrißgestaltung in der Provinz Groningen zuerst entwickelt. Unklar sind die Gründe, weshalb von der überkommenen Bauweise des einschiffigen Raumes mit halbrunder Ostapsis abgewichen wurde.
In Ostfriesland tritt, der Rechteck-Einraum erst nach der Mitte des 13. Jahrhunderts auf. Während die Apsissäle durchweg mit einer flachen Balkendecke abgeschlossen sind, wurden die Rechteck-Einräume grundsätzlich als Gewölbebauten konzipiert.
Wie Kuppeln steigen diese spätromanischen Gewölbe, die von kräftigen Wandpfeilern getragen werden, hoch in den Dachraum der Kirchen auf. Die Kirchen in Campen und Canum in der Krummhörn bieten dafür ein sehr gutes Beispiel.
Dort blieben die Gewölbe vollständig erhalten, während sie in vielen anderen Kirchen nicht mehr vorhanden sind. Wir finden nur noch Spuren, die auf die ehemalige Einwölbung hinweisen. In der Fachsprache heißen diese Gewölbe Domikalgewölbe.
Die mangelhafte Fundamentierung und die Errichtung der Kirchen auf künstlich aufgeschütteten Warfen sind wohl die Hauptursachen für den Verlust der Gewölbe. Die Wände der Kirchen waren dem tonnenschweren Druck und Schub auf die Dauer nicht gewachsen.

Die Kirche in Uphusen war auch als Gewölbebau geplant.
Darauf weisen Spuren hin, die 1961 unter dem Putz zum Vorschein kamen.
Die Frage, ob die Gewölbe nur vorgesehen oder tatsächlich vorhanden waren, muß offen bleiben.
Ein weiteres Merkmal der Kirchen dieser Gattung sind die architektonisch reich gestalteten Ostwände, die die Hauptschauseite bilden. Das ist auch bei der Kirche in Uphusen der Fall. Die Mitte das unteren Abschnitts nimmt eine gestaffelte Drei-Fenster-Gruppe ein, die leider in späterer Zeit zugesetzt wurde. Die drei sehr engstehenden Fenster schließen mit einem Spitzbogen ab. Zu beiden Seiten dieser Gruppe, etwas höher, aber noch unter dem Ansatz des Giebeldreiecks angebracht, befinden sich jeweils zwei rundbogige Blendnischen, die man nicht mit vermauerten Fenstern verwechseln darf. Sie hatten eine rein dekorative Funktion, um die Massigkeit des Mauerwerks aufzulockern. Denkbar ist auch, daß sie dazu bestimmt waren, kleine Statuen von Heiligen aufzunehmen. Auch das nun folgende Giebeldreieck ist überaus reich gegliedert. In der Mittelachse steigt eine flache Blendnische auf, die von einem dreifach gestaffelten Spitzbogen, der auf kleinen Konsolen ruht, überfangen wird.
Flankiert wird diese Blende von zwei paarig ausgelegten, die rundbögig abschließen. In jeder Blende sind zusätzlich noch ebenfalls paarig angelegte, in Spitzbögen auslaufende Eintiefungen zu sehen. Unmittelbar über den Abschlußbögen sind die Spuren von später ausgemauerten Kreisblenden noch deutlich zu erkennen. Es folgen dann zu Seiten dieser Blendnischen zwei rechteckige, deren oberer Abschluß parallel mit der Giebelschräge verläuft, deren Aussehen in späterer Zeit im Zusammenhang mit Reparaturen verändert wurde. Die dekorative Behandlung der gesamten Wandfläche folgt zwar grundsätzlich den Regeln der Symmetrie, aber dennoch sind die Füllungen der Blendnischen unterhalb des Giebelansatzes in ihrer Gestaltung verschieden. Stilistisch besteht eine Verwandtschaft mit der Ostseite der Kirche in Grimersum.

Am besten hat die Nordseite der Kirche die Jahrhunderte überdauert. Kräftige, durchlaufende Lisenen lassen die alte Jocheinteilung erkennen. Die Mitte der Wand wird durch einen risalitartigen Vorsprung markiert, der ein etwas aus der Mitte gerücktes ehemaliges Portal enthält, das in späterer Zeit vermauert wurde. Die bis auf eines zugesetzten Fenster haben kräftige Rücksprünge und sind spitzbogig geschlossen. Es sind insgesamt neun, und am Ost- und Westende sind sie paarig angelegt. Reste des oberen Wandabschlusses sind noch gut zu erkennen.
Die Südseite wird ursprünglich das gleiche Aussehen gehabt haben wie die Nordwand. Die derzeitigen großen Rundbogenfenster gehen auf spätere Veränderungen zurück.
Auch die Südwand wird durch Lisenen (flache Mauervorsprünge) gegliedert und läßt Reste des oberen Wandabschlusses erkennen. Keine der vielen mittelalterlichen Kirchen in Ostfriesland ist völlig unverändert auf unsere Tage gekommen. Die gravierendsten Eingriffe erlitten in fast allen Fällen die Südseiten, weil die Fenster ohne Rücksicht auf die ursprünglichen Proportionen willkürlich vergrößert wurden, um im Innenraum mehr Licht zu haben. Daß dadurch natürlich auch die ehemalige Raumwirkung eine starke Einbuße erfuhr, bedarf eigentlich gar keiner besonderen Erwähnung.

Die alte Westfront wurde im Jahre 1884 durch eine neue in historistischer Gestalt nach dem Geschmack jener Zeit ersetzt. Hier befindet sich auch der heutige Haupteingang, während es im Ostteil der Nordseite ein hübsches Portal in frühbarocker Form gibt, das dort im 17. Jahrhundert angelegt wurde.
Ein alter Dachreiter wurde in unserer Zeit durch eine einfache Konstruktion aus Stahlrohren ersetzt