Geschichte

Uphusen, heute ein Stadtteil im Osten Emdens, wurde urkundlich bereits 1367 erwähnt und zwar als „Uphusum". Der Name bedeutet: bei oder an dem Steinhaus.
Das alte Dorf liegt, wie in Ostfriesland üblich, auf einer Warf. Auf der Höhe der Dorfwarf liegt die Kirche mit einem hohen Dachreiter und einer Windfahne. Etwas abseits liegt der Glockenturm.
Die erste Kirche in Uphusen ist in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts errichtet worden, eine Backsteinkirche über rechteckigem Grundriss.
In einem Uphuser Kirchenbuch fand Fokko Pannenborg (Lehrer an der Wolthuser Schule) folgende Eintragung des Pastors Siebold Dalhoff (1812-1826 Prediger in Uphusen):
Namensliste der Prediger:
A. Geistliche vor der Reformation:
1. Ludopus, Priester 1424.
Zu dieser Zeit ist wohl auch die alte Uphuser Kirche aus der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts durch eine neue Kirche ersetzt worden. Dieser Neubau der Uphuser Kirche kann nur von dem reichen Uphuser Häuptling Wiard (gest. 1462) stammen.
In Uphusen hat sich der Übergang zur reformierten Kirche allmählich vollzogen. Altes und Neues blieben vorerst nebeneinander bestehen. Noch 1528 benutzten katholische Priester die beiden ursprünglich vorhandenen Altäre, den St. Antoni-Altar und den Catarinen Altar in der Uphuser Kirche. Die Gemeinde scheint also einige Jahre doppelt konfessionell gewesen sein, so dass katholische Messen gelesen und evangelische Gottesdienste gehalten wurden.
Erst in der 2 Hälfte des 16. Jahrhunderts bekannte sich die Häuptlingsfamilie Houwerda eindeutig zu den Lehrauffassungen Dr. Martin Luthers.
1596 verkaufte die Häuplingsfamilie Houwerda Uphusen an die Stadt Emden. Während es in der Stadt Emden einen ständigen Kampf zwischen Reformierten und Lutheranern gegeben hat, blieb Uphusen all die Jahre hindurch von solchen Spannungen unberührt. Als erster reformierter Prediger wird in den Uphuser Kirchenbüchern Adam a Karssenbrock genannt. Er war von 1590 1593 Vicarius und dann alleiniger Prediger.
Bis heute ist die Kirche reformiert geblieben. Prägend für die reformierte Kirche in Uphusen war das Wirken des Schweizers Johannes Calvins (1509 - 1564). Der Gottesdienstraum der reformierten Kirchen ist kein sakraler Raum. Er ist geprägt von nüchterner Sachlichkeit.
Es gibt kein Kreuz oder Kruzifix, weil das 2. Gebot (Bilderverbot) ernst genommen wird. Ein Abendmahltisch ersetzt den Altar. Damit soll der Eindruck vermieden werden, wir Menschen könnten Gott durch ein Opfer beeindrucken. Auch bunte Kirchenfenster und Wandmalereien waren tabu. Lediglich 2 Taufsteine zierten den Innenraum der Kirche. Das kleinere Taufbecken aus Sandstein aus dem 13. Jahrhundert von Manfred Meinz und Robert Noah befindet sich noch heute in der Kirche mit dem Brotteller aus dem Jahre 1667. Das Größere, aus Granit geschlagene Taufbecken, das bis Ende des 20. Jahrhunderts im Pfarrhausgarten stand, ist an die Kirchengemeinde in Bedekaspel ausgeliehen worden.
Ein Blickfang in der Kirche — wenn auch noch nicht sehr alt - ist die Orgel von 1830/1834.
Die Vorgängerorgel war geschmückt mit großen Orgeltüren, eine Seite zeigt die Szene David mit dem Kopf Goliathss. Die anderen Seiten sind mir Wappen geschmückt.
Etwas abseits neben der Kirche steht der Glockenturm mit 2 großen und einer kleineren Glocke. Während des 2. Weltkrieges wurden fast alle Bronzeglocken beschlagnahmt, so auch die beiden großen Glocken der Uphuser Kirche, auf die der Name David Leonard Bluhm (1792) steht. Sie wurden aber zum Glück nicht mehr eingeschmolzen und konnten so mit Hilfe der EVAG (Emder Verkehrs AG) vom Glockenfriedhof in Hamburg Anfang 1950 per Schiff nach Emden transportiert werden. Mit einem Pferdefuhrwerk gelangten sie zurück an ihren Ursprungsplatz, dem Uphuser Glockenturm. Organisator des Glockentransportes war der über 30 Jahre als Organist tätige Willi Wildeboer.
Da die Glocken früher noch von Hand bedient werden mussten, der elektrische Antrieb für das Geläut wurde erst 1960 eingebaut, wurde zu den normalen Gottesdiensten am Sonntag nur die kleinere Glocke (außen zur Kirche hin) geläutet. Nur zu Weihnachten und bei Beerdigungen wurden die zwei großen Glocken bedient. Für dieses Geläut wurden mindestens 4 kräftige Personen benötigt.
Die kleine Glocke im Turm, auch Stundenglocke genannt, hat bis Anfang 1950 werktags um 12.00 Uhr gelautet.
Der Glockenklang war jedoch nicht nur für kirchliche Angelegenheiten da. Auch wichtige Bekanntmachungen wurden durch Glockenschlag angektündigt. Dies geschah dadurch, dass der Klöppel mehrmals kräftig gegen die kleine Kirchenglocke geschlagen wurde. Noch bis Anfang 1950 wurden solche Bekanntmachungen praktiziert. Aus dieser Sitte, etwas öffentlich durch Glockenschlag mitzuteilen, ist wohl auch die Redeweise „an de grooten Klock hangen“ — an die große Glocke hängen" entstanden.
Noch bis Anfang der 50-ziger Jahre wurde durch den damaligen Küster Heyen Geburten und Verstorbene öffentlich im Dorf ausgerufen.